Mein erster Halbmarathon – Der Bericht

Ich habe nun etwas länger gebraucht um meinen Bericht über die Vereinsfahrt und damit auch über den Halbmarathon zu schreiben. Es gab schon mehrere Versionen, aber keine konnte mir die Emotionen und das Feeling das ich empfunden hatte auch nur annähernd rüber bringen. Auch dieser Bericht kann das Erlebnis sicher nicht so wiedergeben wie ich es gerne beschreiben würde.

Messe Freiburg
Messe Freiburg

Bereits Tage vor der Abreise waren die Spannung und die Zweifel deutlich zu spüren. 21.097,5m sollte ich überwinden. Ich, der vor 2 Jahren noch ein Couchpotato war. Ich war zwar gut trainiert hatte aber noch keine langn Läufe über 16km gemacht. Warum? Mir fehlte einfach die Zeit dazu. Dank dem Trainingslager und meinem Laufkollegen Ferdi habe ich immerhin mal die 15km Marke geknackt. Zwischen 15km und 21km liegt aber leider noch eine Strecke von 6km. Was wäre, wenn ich meinen üblichen Fehler mache und mich gleich zu Beginn auspowere und mir am Ende die Energie fehlt durchs Ziel zu laufen? Was wenn ich einfach nicht genug trainiert habe? Was wenn Norbert recht hat? …

Scheiß drauf! Der Tag der Abreise war gekommen, meine Tasche und das technische Equipment war gepackt und ich war als erster am Startpunkt beim Schwimmbad in Schweich. Also noch Zeit genug ein „Vorher“-Video zu machen.

Letzte Worte vor der Tour

Als der Bus dann ankam waren die Schweicher zahlreich eingetroffen. Ich hatte keinen Sitznachbarn, was für mich als Einzelgänger gar nicht mal so schlecht war. Der Bus war nicht mit einem Maut-Gerät ausgestattet weshalb wir nicht über Frankreich sondern quer durch Deutschland fahren mussten. Das kostete etwas Zeit aber wir kamen gut durch.

Schnell noch das Gepäck verstauen

Zuerst besuchten wir die Messe wo auch der Start- und Zielpunkt zu finden war. Ein kurzer Besuch der Marathon-Messe auf der meist lokale Anbieter ihre Produkte vorstellten war natürlich obligatorisch zumal auch unsere Startunterlagen dort abgeholt werden mussten.

Der LT Schweich in Freiburg
So ein Bild wollte ich schon immer mal haben.
So ein Bild wollte ich schon immer mal haben.

Mit meiner Startnummer bewaffnet hab ich mir noch den Mini-Marathon der Kinder angesehen. Als Kind wäre ich niemals da mitgelaufen. Marco und Sport, das sollte damals einfach nicht zusammen passen. Tja, ich habe viel verpasst in jungen Jahren. Das Hotelzimmer war relativ klein, aber gemütlich und für mich alleine absolut ausreichend. Ach was, es war perfekt. Das kann mal wohl schon so sagen. Abends habe ich noch kurz die Stadt ein wenig erforscht und bin dann aufgeregt ins Bett gegangen um dem Land der Träume einen Besuch abzustatten.

Wettkampftag

Der Schlaf war relativ gut aber die Nacht war einfach zu schnell rum. Meinem Sohn Jan hatte ich vor der Abreise noch schnell gezeigt wie er mich mit dem iPad und Facetime anrufen kann. So konnte sicher gestellt werden, dass er mich morgens visuell kontaktierte was er auch immer fleißig und pünktlich tat. Er ist schon ein süßer Fratz. Extra früh wollte ich das Bett verlassen um schon bei der Öffnung der Frühstücksbuffets dabei zu sein. Ohne gutes Frühstück sollte ich doch nicht starten…. So war der Plan… Mein Magen erzählte mir aber was anderes und der Druck im Hals deutete schon an, dass ich besser nichts zu mir nehmen sollte. Der Körper wollte einfach nicht. OK, was konnte ich tun? Logisch, entgegen aller Ratschläge bin ich dann ohne Frühstück mit der S-Bahn zum Messegelände gefahren… Ich bin schon ein Unikat.

An der Messe

Es war quasi vorhersehbar. Genau an dem Zeitpunkt, an dem wir ( ich hatte den Laufkollegen Ferdi an der Hotellobby getroffen ) an der Messe ankamen fing es an zu regnen. Erfahren wie ich ja nun mal bin hatte ich nichts dabei was mich vor dem Regen hätte schützen können. Kein Frühstück und starker Regen. Perfekte Bedingungen für einen ersten Halbmarathon. Bis die Masse aufgefordert wurde, in die Startblöcke zu kommen half ein kleiner Dachvorsprung dabei nicht allzu nass zu werden. Die Masse kam dann dem Wunsch nach sich in Startposition zu begeben also stellte auch ich mich der Witterung. Es war kalt… es war nass … ich gebe zu ich hatte keine Lust mehr. Wir sollte das gut gehen wenn man schon in nassen Klamotten und in nassen Schuhen startet? Es musste was her was mich etwas ablenkte. Also griff ich zu meinem Handy und startete eine Live-Übertragung per Facebook. Schnell hatten einige Zuschauer meinen Stream gefunden und ich fühlte mich nicht mehr so allein inmitten den 10.000 nassen Menschen. Der Countdown und der Startschuss ertönte aber natürlich dauerte es einige Zeit bis sich die Menschenmenge in Bewegung setzte. Ich war Startblock D, was bedeutet, dass sich die Blöcke A-C erstmal auf den Weg machen mussten. Es dauerte eine viertel Stunde bis wir loslaufen durften. In der Aufzeichnung kann man erkennen, dass es kalt war, denn ein Zittern der Hand die das Handy hielt war nicht zu vermeiden. Als unsere Gruppe die Startlinie überquerte war die Kälte wie verflogen. Meine Zuschauer nahm ich noch einige Meter mit unterbrach aber dann den Stream und versprach, wenn es denn zum Zieleinlauf kommen sollte erneut eine Liveshow zu starten.

Der Lauf

„Lauf blos nicht zu schnell los!“ war einer der Tipps den mir alle meine Kollegen noch vor dem Lauf mitgegeben hatten. Es fiel mir auch gar nicht schwer diesem Ratschlag zu folgen. Extrem schnell fand ich in den Lauf und genoss die noch vor mir liegende Strecke. Die ersten 10km waren mit leichtem Anstieg zu laufen der aber so gut wie gar nicht zu spüren war. Das Publikum war in guter Stimmung. Nahezu überall wurde dem Läufer zugejubelt, geklatscht, gepfiffen, getrommelt oder anderweitig Zustimmung zugesprochen. Zugegeben, der Einfluss der gut gelaunten Zuschauer motivierte mich von Anfang bis Ende. Ich garantiere, dass ich jedes Kind das am Straßenrand stand, egal ob rechts oder links, abgeklatscht habe. Die Eltern bedankten sich sogar dafür und feuerten dann erneut zum durchhalten an. Die Strecke an sich war ebenfalls schön gewählt. Mal durch die Altstadt, mal durch einige Gehwege. Es war alles dabei um die Strecke nicht eintönig wirken zu lassen.
Einige Läufer hatten wohl Probleme die richtige Strecke zu finden. Die Weichen die zwischen 10km und HM / M unterteilten waren wohl für so manchen Läufer nicht sichtbar. Meiner einer hatte aber keinerlei Probleme den richtigen Weg zu finden. Das ist wohl ein Vorteil wenn man langsamer läuft, dann kann man sich in Ruhe Schilder und Sehenswürdigkeiten anschauen. Muskuläre Probleme oder gar schmerzen waren nicht zu spüren und auch die Atmung spielte genau so mir wie sie sollte. Es war wunderbar. Es lief einfach rund.

Km 16 und noch vollkommen fit! (C) by Volker Dick-Colling

Einige Läufer konnte ich überholen, von anderen wiederum wurde ich überholt. Ich war auch ganz verwundert, dass wenn ich einen Blick zurück riskierte auch mal jemand hinter mir läuft. Faszinierend, so fühlt sich das also an 🙂

Richtige Steigungen waren nicht dabei. Bei den Anstiegen, die ein Niederländer Berg nennen würde, sagte ich mir immer „Das ist doch keine Steigung!“ und so konnte ich stets mein Tempo und meinen Laufrhythmus halten.

Nach 10km entschied ich mich, ein Hörspiel anzuschalten und mir wurde damit ermöglicht für eine weitere Stunde meinen Kopf auszuschalten. Hier diente mir die gerade neu erschienene Folge von Point Whitmark gute Dienste. Seit Jahren wurde die Fortsetzung der Serie heiß erwartet und am Freitag vor dem Lauf ist sie denn nun auch endlich erschienen. Kilometer um Kilometer flog an mir vorbei. Keine Ermüdung, keine Schmerzen … Goarneist!

Erst irgendwo zwischen km 19 und 20 drückte mein Oberschenkel etwas und ich hatte Angst, ein Krampf würde sich einstellen. Einen Schritt runter schalten half dann auch einem Krampf zu entgehen und als die letzte Brücke in Sichtweite war konnte eh nichts mehr passieren. Mein Puls stieg zwar massiv an, aber das hatte nichts mit der zu erbringenden Leistung zu tun. Es war die Freude und auch die Aufregung doch tatsächlich und wider Erwarten einiger Personen aus meinem Umfeld stolz und mit erhobenem Haupt durch das Ziel zu laufen. Wie bereits am Anfang geschrieben, kann ich das Empfundene in diesem Moment gar nicht schriftlich zusammenfassen. Es war ein wirrwarr der Gefühle. Freude, Dankbarkeit und Stolz und alles was man sich sonst noch vorstellen kann empfand ich zur gleichen Zeit. Ich hätte mit Tränen im Gesicht durch das Zeil laufen können konnte es aber gerade noch so verhindern.
Rückblickend behaupte ich sogar, dass das einer der 10 schönsten Momente in meinem Leben war.

Finisher-Medaille
Finisher-Medaille

Was steht als nächstes auf der ToDo-Liste?

2016 – Couch

2017 – 5km

2018 – 10km

2019 – 21,0975 km

2020 – Wird noch bekannt gegeben

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