ING Nightmarathon 2019 – Luxembourg

„Allez Marco! Allez!“, das waren die Worte die ich am gestrigen Halbmarathon in Luxembourg am meisten gehört habe. Die Aufmunterungen der Zuschauer konnten diesen Lauf für mich auch nicht mehr retten.

13749 - Marco Reuter
13749 – Marco Reuter

29° warm war es noch bei meiner Ankunft am Kirchberg in Luxembourg, wo der jährliche ING Nightmarathon stattfindet. Der Start wurde mir von meinem Freund Fernand H. gesponsert, weil er eigentlich nicht mehr in mein Laufbudget dieses Jahr gepasst hat.

16.000 Läufer
16.000 Läufer

16.000 Läufer waren vor Ort und die Stimmung war ausgelassen und gut. Meine Nervosität war deutlich zu spüren. Ich hatte ja noch nie einen HM in einer solchen Hitze gelaufen. In den letzten Tagen häuften sich auch immer wieder die Aussagen von Freunden und Kollegen, dass die Strecke nicht leicht wäre und einige Steigungen bieten würde. Aber man muss sich ja selbst einen Eindruck vom Lauf vermitteln und das habe ich auch getan.

Der Startschuss ertönte und die Menge jubelte. Natürlich startete ich aus dem letzten Block und es dauerte einige Zeit bis sich auch diese hochmotivierte Truppe in Bewegung setzte. Es gab auch einen Live-Stream von RTL Luxembourg auf dem ich wohl 3x zu sehen war. Leider wird der Stream wohl nicht zum Download angeboten, schade.

Der Startbogen des ING Nightmarathon
Der Startbogen des ING Nightmarathon

Meine größte Angst war, dass die Atmung und die Herzfrequenz mir wie am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung machen würde. Aber die Atmung hatte ich gut unter Kontrolle da ich rechtzeitig antiallergisches Asthmaspray benutzt habe. Die Herzfrequenz lag auch meistens im guten Bereich und war auch relativ stabil. Was mir zu schaffen machte war die aktuell noch ungewohnte Hitze. In der letzten Woche musste man noch eine Jacke anziehen wenn man vor die Tür wollte und heute wäre es im Adamskostüm gerade gut genug gewesen. Gut, dass man als Läufer doch recht luftig gekleidet ist.

Die ersten 8km waren überhaupt kein Problem, aber dann machte sich die Hitze nicht nur bei mir bemerkbar. Viele anderen Teilnehmer ( laut Zeitungsbericht waren es mehr als 80 ) mussten von Helfern und Sanitätern behandelt werden. Der ein oder andere musste auch mit dem Krankenwagen ins nahegelegene Krankenhaus transportiert werden. Die Sanitäter hatten eine ganze Menge zu tun. Dauernd waren Blaulicht und Martinshorn zu sehen bzw. zu hören.

Das präparierte Laufshirt
Das präparierte Laufshirt

Was mich etwas geschockt hatte und auch vom Veranstalter im nächsten Jahr verbessert werden muss sind die Verpflegungsstationen. Die ersten Stellen hatten für uns letzten Läufer nix mehr. Keine Becher! Nix vorbereitet bzw. sind sie wohl scheinbar nicht der anstürmenden Menge hinterher gekommen. Hier muss weiter ausgebaut werden und die Stationen etwas verlängert werden.

Ein wenig „unpraktisch“ finde ich die Verteilung von Bananen- und Orangenstücken. Da die Schalen einfach auf die Straße geworfen werden und diese dann auf dem Asphalt eine rutschige Fläche bilden herrschte stellenweise arge Rutschgefahr. Ob das bei einem Marathon normal ist kann ich nicht sagen, es war ja erst mein zweiter und in Freiburg habe ich sowas nicht bewusst wahrgenommen.

Herzfrequenztabelle
Herzfrequenztabelle

Die ersten Kilometer liefen gut. Atmung und Herzfrequent blieben überraschen konstant und ich konnte die angepeilte 7er Pace recht gut halten. Aber dann kam er: KM 8. Ab hier war klar, das wird eine Herausforderung und die noch zurückzulegenden 13km würden mir in jeder Hinsicht einiges abverlangen.

Das Publikum war klasse, anders kann man es nicht sagen. Einige Anwohner hatten Gartenschläuche auf die Hälfte der Straße gerichtet und gaben jedem Läufer so die Möglichkeit einer kurzen Abkühlung. Von vielen wurde das auch dankend angenommen da ich aber mit einiger Technik ausgestattet war habe ich mir immer nur einige Tropfen gegönnt die ihre Wirkung aber nicht verfehlten. Ich musste sogar aufpassen, dass der Kreislauf nicht kollabierte wenn ich durch das kühlende Nass gelaufen bin. Danke an die Luxemburger die soviel Verständnis für die Sportler hatten!

Meine Beine wurden schwerer und die Energie schwand langsam aber sicher. Zum ersten mal habe ich dann auch etwas Traubenzucker zu mir genommen um den weiteren Strapazen entgegenwirken zu können. Nach 10km kamen dann erste Zweifel ob ich das überhaupt schaffen kann.

Jeder folgende Kilometer fühlte sich schlimmer an. Die „Allez Marco! Allez!“-Rufe kamen immer öfter aber stellenweise ging einfach nicht(s) mehr. Irgendwas musste zur Motivation her. Aber was? Ich versuchte einen Freund anzurufen in der Hoffnung, dass er mir gut zureden würde aber dieser war leider verhindert. Einzig und allein der Gedanke, dass mein Freund Fernand diesen Lauf bezahlt hat ich ihn einfach nicht enttäuschen wollte lies mich weiter machen. Zumindest so gut es ging. Mit einigen für mich ungewöhnlichen Gehpausen und kurzem Stop an jeder Verpflegungsstation.

Der Streckenverlauf
Der Streckenverlauf

KM 18 hielt dann einen weiteren Motivationstest bereit. Meine Waden machten langsam zu und der Oberschenkel meldete sich. Also nochmal Tempo rausgenommen und weitere Gehpausen eingeplant. Im Kopf rechnete ich die Zeit aus und was ich tun müsste um noch innerhalb der gültigen 3 Stunden anzukommen. Rein rechnerisch war es noch möglich vor Zielschluss über die Linie zu laufen aber Körper und Geist waren stark geschwächt und die Verlockung mit dem Besenwagen zum Eventgelände zu fahren waren so reizvoll wie ein eisgekühltes alkoholfreies Radler. Aber Nein! Zwei Läuferinnen machten mir auf der letzten Teilstrecke nochmal Mut und pushten mich, die letzten 3 km doch noch zu absolvieren. Also nochmal die letzten Kräfte mobilisiert und mit einer ganz langsamen Pace Richtung Messegelände „gelaufen“. Ich war glaube ich noch nie so froh eine Ziellinie zu überschreiten. Das ausgerechnete Ziel unter 3 Stunden zu finishen konnte ich gerade noch so verwirklichen.

Da ist das Ding!
Da ist das Ding!

Im Zielbereich angekommen habe ich die Stände erstmal nahezu leer gesoffen, ja sogar einen Becher Cola habe ich mir gegönnt! Haut mich! Dann bin ich aber unter die Dusche um endlich den Weg in Richtung Heimat antreten zu können.

Fazit: Der ING Nightmarathon ist eine tolle Veranstaltung. Es sollte dem, gerade auch unerfahrenen, Starter bewusst sein, dass es sich hier nicht um die einfachste Strecke handelt und gerade die letzten 5km eine Herausforderung sind. Da laut Aussagen einiger anderer Teilnehmer in den letzten Jahren immer warme Temperaturen herrschten sollte man selbst für ausreichende Getränke sorgen ( ggfs durch Bekannte am Straßenrand ) und die Sache dort nicht allzu ernst angehen. Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas zu hart, weil das Event wirklich gut und das Publikum und die Strecke ( abgesehen von den Steigungen ) wirklich genial war: Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte bezweifle aber, dass ich in den kommenden Jahren erneut an dieser Veranstaltung teilnehmen werde. Aber wer weiß, was da noch alles kommt…

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