1. GIO RUN 2019 in Leudelange / Luxembourg

1. GIO RUN 2019

Relativ spät hatte ich den Lauf „1. GIO RUN 2019“ in Luxembourg entdeckt und konnte leider keine weiteren Mitstreiter aus der Firma zur Teilnahme motivieren. OK, ich gebe zu, Freitag Abend ( 19:30 Uhr ) ist nicht zwingend der beste Termin für einen Lauf des Firmenlauf-Teams und ich gebe ebenfalls zu, ich nerve die Mitarbeiter schon mit dem Thema Laufen. Was soll ich machen, es macht mir eben Spaß! Aber ich wollte unbedingt teilnehmen und daher hatte mich ebenfalls kurzfristig für die 10km Strecke angemeldet. Da Ende des Monats, also bereits am Sonntag, der Trierer Stadtlauf mit einem Halbmarathon auf meine Teilnahme wartet wollte ich diesen Lauf entspannt angehen , die neue Umgebung genießen und meinen Arbeitgeber würdig vertreten.
Leudelange ist lauftechnisch noch Neuland für mich, sodass ich mich bei meinem Kumpel Fernand über den Streckenverlauf erkundigte. Seine Anwort war: „…es sind kleine Steigungen in der Strecke. Es ist aber nicht dramatisch…“ Dazu komme ich dann noch später.

314 – Marco Reuter

Der Freitag zeigte sich generell schön warm und sonnig. Also war vorheriges Trinken pflicht. Ich vergesse das im Laufe der Arbeitszeit meistens und trinke dann zwischendurch Kaffee was irgendwie kontraproduktiv ist aber ich bin ja irgendwie „speziell“.

Um rechtzeitig vor Ort zu sein bin ich dann auch kurz nach 17 Uhr aufgebrochen. Es waren nur knapp 30km Anfahrt … was konnte da wohl schief gehen?
In die Planung für den 2. GIO Run 2020 werde ich um 15 Uhr losfahren, denn Freitag nachmittags wollen wohl alle Pendler aus Luxembourg ( Stadt ) raus und nach Hause.
Stau! Es gibt wirklich nicht viel, abgesehen von Gartenarbeit, was ich mehr hasse als Stau.

Die Bühne
Die Bühne

Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich als junger Kerl mal 8 Stunden bei München, nach dem Oktoberfest, im Stau gestanden habe und vor langeweile fast starb.
Das Navi zeigte ausschließlich rote Straßen! Alles war zu, die Stadt stand still. War ja nicht so schlimm, ich hatte ja noch locker 2 Stunden Zeit. Die Sonne kannte kein erbarmen und erwärmte alles was nicht im Schatten war auf unangenehme Temperatur. Nach einer Stunde im Stau meldete mein Navi eine alternative Route bei der ich nur mit weiteren 7 Minuten Verzögerung statt Stillstand rechnen konnte. War das das Wunder auf das ich langsam aber sicher hoffte? Wer mich kennt weiß, nicht Gott ist für mein „Glück“ zuständig, sondern eine ganz gewisse Abteilung in der Hölle. Weiterer Stau und weiter Stillstand. Ich bin bereits davon ausgegangen, dass ich den Start wohl nicht mehr schaffen werde. Ich musste mich ja noch umziehen und auch noch die Startunterlagen abholen.

Irgendwann hatte der Abteilungsleiter der Hölle ein Einsehen und gab die Strecke frei. Ich konnte sogar auf einem nahegelegenen Parkplatz mein Auto abstellen. Die Schlange an der Startnummernausgabe war nicht lang aber man fand erstmal meinen Namen nicht. Es hab sogar Startbeutel im Gio Run Design, das fand ich schön, denn die Beutel sind neben den Startnummern, Urkunden und Medallien immer eine schöne Erinnerung.

Start und Ziel
Start und Ziel

Die Herren-Umkleide war komplett frei, sodass ich mich komplett ausbreiten konnte. Die Toilettenanlage sollte für die zweite Version des Laufs um einen Container erweitert werden denn die zur Verfügung stehenden Örtlichkeiten waren knapp aber stark besucht. Eine Damentoilette habe ich nicht gesehen und auch die weiblichen Läufer suchten ebenfalls den als Herren-WC ausgezeichneten Container auf. Wenn ich mir eine Änderung für 2020 wünschen könnte, dann wäre das eine zweisprachige Gestaltung der Hinweisschilder. OK, es ist Luxembourg, dort ist die französische Sprache die offizielle Sprache also muss man damit leben.

600 Läufer
600 Läufer

Es waren etwas mehr als 600 Läufer gemeldet. Die Stimmung war gut, alle waren ausgelassen fröhlich und jeder fieberte dem Start entgegen. Im Start- bzw. Zielbereich war alles für das leibliche Wohl zu finden. Es war wirklcih schön und gemütlich gemacht.

Kamera gezückt, kleines Video gemacht und schon hatte ich den Countdown zum Start verpasst. Sowas aber auch. Ich werde wohl alt und senil.

Die Masse setzte sich in Bewegung und wurde ersteinmal eine Runde über den Standort der Firma Giorgetti geleitet. Eine Kleine Betriebsbesichtigung wenn man so will. Nach dieser kleinen Rundreise ging es dann auf die angrenzende Straße und danach schnell in den Wald.

Leudelange - Schöne Landschaft
Leudelange – Schöne Landschaft

Die ersten Kilometer glichen einem kleinen Trail und verliefen auf unbefestigten Wegen durch das Waldgebiet. Der Streckenverlauf wies, wie von Fernand beschrieben hin und wieder mit etwas Steigung auf aber es war in der Tat nichts dramatisches dabei. In den Passagen in denen man in der prallen Sonne lief waren schon bisschen hart. Die Sonne brannte und tat das was sie am besten kann.

Leudelange - Schöne Landschaft
Leudelange – Schöne Landschaft

Irgendwann, ich glaube kurz nach Kilometer 5 konnte man bereits von Weitem eine Verpflegungstation erkennen. Normalerweise ignoriere ich Verpflegungsstationen weil ich wohl zu doof bin während dem Laufen zu trinken und ich Probleme habe wieder in den Flow zu kommen wenn ich mal stehen geblieben bin. In Erinnerung hatte ich noch die Situation vom ING-NIGHTMARATHON Anfang des Monats an dem keine Becher mehr für die langsamen Läufer da waren. Sowas würde hier ja nicht passieren … dachte ich …

Hier muss ich euch nochmal die Abteilung Hölle ins Gedächtnis rufen und wie dort versucht wird mir das Leben etwas schwerer zu machen. Die finden das da lustig, ich nicht so ganz.

Leudelange - Schöne Landschaft
Leudelange – Schöne Landschaft

Näherkommend an die Verpflegungsstation bemerkte ich, dass auf dem Tisch nichts mehr stand und einige Läufer vor mir die letzten Tropfen aus den Plastikflaschen zu sich nahmen. Ist das jetzt eigenlich ein Scherz den ich zugegebenermaßen nicht verstehe oder ist das eine Fehlplanung? Oder soll das sogar so sein damit man sich anstrengt schneller zu laufen um noch was an der Versorgungsstation zu bekommen? Ich weiß, das sind Plastikbecher! Und ja, sie werden weggeworfen! Nein nicht direkt ins Meer sondern ordentlich recycled ( will ich mal hoffen )

Wir rechnen mal:
600 Teilnehmer ok sagen wir mal 400 beim 10km Lauf.
2 Becher pro Starter = 800 Becher (Den Rest kann man ja ein anderes mal verwenden!)
800 Becher zu 0,2l Wasser ( wenn sie denn ganz gefüllt sind also eher 0,15l ) = 160l Wasser
Benutzt wurde ein günstiges Wasser ( nicht abwertend gemeint ) in 1,5l Flaschen erhältlich im 6er Pack. => 18 Pack Wasser in 6er Packs zu je 1,5l pro Flasche ( Ich schaue morgen mal was ein Pack an der Tankstelle kostet, dann kann ich auch sagen was man investieren müsste )

Da will ich nicht rauf!
Da will ich nicht rauf!

Genug gejammert hust!

Meine Gedanken waren: „Die Hälfte ist erstmal geschafft und wenn sich der Rest der Strecke ebenfalls so gestaltet dann wird das ein sehr schöner und angenehmer Lauf!“
Kommen wir somit noch einmal zur … ihr ahnt es sicher schon … Abteilung Hölle.
Zwischen Kilometer 7 und 8 kam ich an eine nicht einsehbare Kurve. Ich konnte die kleinen Dämonen schon kichern hören und bekam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Ich hätte meinen Blick filmen sollen aber ich war zu geschockt über das was ich mir dort offenbarte. Vor mir lag eine Steigung von geschätzten 40% und ein Ende war gar nicht zu erblicken. Keiner, wirklich KEINER der langsamen Läufer ist auf diesem Teilstück der Strecke gelaufen. Ich hatte es noch versucht, mein Vorhaben dann aber schnell aufgegeben. Gehen war angesagt und selbst das hat in den Oberschenkeln gebrannt wie Chili-Soße die man in eine offene Wunde schmiert. Stimmen mit Überlegungen den Lauf abzubrechen und den flacheren Weg zurück zu gehen wurden in meinem Kopf immer lauter aber „Aufgeben ist keine Option und Ankommen ist das Ziel!“

Immer hübsch lächeln!
Immer hübsch lächeln! Foto von https://ludivig-edith.psweb.org/

Ja, ich musste mich wirklich quälen und dieses Teilstück einfach nur irgendwie überwinden. Oben angekommen wurde kurz verschnauft und der Pulswurde wieder in normale Bereiche gebracht. Danach ging es wieder laufend weiter. Eine, wohl beim Veranstalter beschäftigte, Dame ( siehe Video ) ist dann in den letzten Kilometern auf meiner Höhe gelaufen und hat mich immer wieder in französischer Sprache dazu animiert durchzuhalten und mir ein kühles Bier im Ziel versprochen. Ok, sie meinte wohl auch ich wäre etwas zu fett aber das ist ja nix neues.

Der Zieleinlauf führte wieder auf die anfangs gelaufene Firmenrunde, allerdings fühlte sie sich diesmal dreimal so lang an. Ich gebe gerne zu froh gewesen zu sein das ich endlich im Ziel angekommen war. Ich konnte den Lauf mit Platz 282 und einer Zeit von 1:11:01 abschließen. Sicher keine PB aber das ist auf dieser Strecke wohl auch nicht möglich. Er war als schöner langsamer Trainingslauf geplant und genau das war er auch. Leider scheint es keine Urkunden zum Ausdrucken zu geben, das finde ich schade, vielleicht ist das ein weiterer Punkt für die V2.0-Agenda des Laufs im nächsten Jahr.

Resultat

Noch nie zählte ich zu den Personen, die nach einem Lauf am Veranstaltungsort verweilen aber dieses Event und das gebotene Programm überzeugten und ich hatte an diesem Abend noch einige schöne Gespräche mit Gleichgesinnten.
Nach der Siegerehrung gab es noch eine Tombola mit wahnsinnig vielen Preisen welche die Sponsoren des Events zur Verfügung stellten. Darunter auch ein 300€ Reisegutschein. Fand ich schon cool. Ich hatte Losnummer 332. Leider haben die kleinen Dämonen dafür gesorgt, dass die Losnummer 333 ( das ist immerhin die Hälfte von 666 … ihr versteht … ) und einige ähnliche Nummern gezogen wurden aber meine wurde sicherlich im Vorfeld bereits im Höllenfeuer verbrannt.

Als Fazit würde ich sagen, es war ein schöner Lauf mit toller Landschaft, tollen Leuten und einer bis auf die Versorgung hervorragenden Organisation welcher im kommenden Jahr in der zweiten Version des GIO RUN wiederholt werden sollte.
Nächste Läufe / Termine:

  • 30.06.2019 – Halbmarathon beim Trierer Stadtlauf
  • 01.07.2019 – Offizielle Ankündigung des Laufziels 2020! Seid gespannt!
  • 05.07.2019 – Evtl. Stadtlauf Saarburg aber das ist wegen der suboptimalen Zeit noch offen.

Samstagstraining mit Fabi und Erik

Zwischendurch versuche ich meine Kollegen zum Laufen zu bringen. Bei Fabian hatte ich wohl Erfolg und Erik ist ein weiterer Kandidat. Beide sind meine Arbeitskollegen und werden täglich von mir genervt.

Vor knapp 2 Wochen konnte ich beide an den Mattheiser Weiher locken um mit ihnen zusammen ein Lauftraining zu absolvieren.

Nett wie ich nun einmal bin habe ich gleich mit Ihnen das Lauf-ABC gemacht.

ING Nightmarathon 2019 – Luxembourg

„Allez Marco! Allez!“, das waren die Worte die ich am gestrigen Halbmarathon in Luxembourg am meisten gehört habe. Die Aufmunterungen der Zuschauer konnten diesen Lauf für mich auch nicht mehr retten.

13749 - Marco Reuter
13749 – Marco Reuter

29° warm war es noch bei meiner Ankunft am Kirchberg in Luxembourg, wo der jährliche ING Nightmarathon stattfindet. Der Start wurde mir von meinem Freund Fernand H. gesponsert, weil er eigentlich nicht mehr in mein Laufbudget dieses Jahr gepasst hat.

16.000 Läufer
16.000 Läufer

16.000 Läufer waren vor Ort und die Stimmung war ausgelassen und gut. Meine Nervosität war deutlich zu spüren. Ich hatte ja noch nie einen HM in einer solchen Hitze gelaufen. In den letzten Tagen häuften sich auch immer wieder die Aussagen von Freunden und Kollegen, dass die Strecke nicht leicht wäre und einige Steigungen bieten würde. Aber man muss sich ja selbst einen Eindruck vom Lauf vermitteln und das habe ich auch getan.

Der Startschuss ertönte und die Menge jubelte. Natürlich startete ich aus dem letzten Block und es dauerte einige Zeit bis sich auch diese hochmotivierte Truppe in Bewegung setzte. Es gab auch einen Live-Stream von RTL Luxembourg auf dem ich wohl 3x zu sehen war. Leider wird der Stream wohl nicht zum Download angeboten, schade.

Der Startbogen des ING Nightmarathon
Der Startbogen des ING Nightmarathon

Meine größte Angst war, dass die Atmung und die Herzfrequenz mir wie am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung machen würde. Aber die Atmung hatte ich gut unter Kontrolle da ich rechtzeitig antiallergisches Asthmaspray benutzt habe. Die Herzfrequenz lag auch meistens im guten Bereich und war auch relativ stabil. Was mir zu schaffen machte war die aktuell noch ungewohnte Hitze. In der letzten Woche musste man noch eine Jacke anziehen wenn man vor die Tür wollte und heute wäre es im Adamskostüm gerade gut genug gewesen. Gut, dass man als Läufer doch recht luftig gekleidet ist.

Die ersten 8km waren überhaupt kein Problem, aber dann machte sich die Hitze nicht nur bei mir bemerkbar. Viele anderen Teilnehmer ( laut Zeitungsbericht waren es mehr als 80 ) mussten von Helfern und Sanitätern behandelt werden. Der ein oder andere musste auch mit dem Krankenwagen ins nahegelegene Krankenhaus transportiert werden. Die Sanitäter hatten eine ganze Menge zu tun. Dauernd waren Blaulicht und Martinshorn zu sehen bzw. zu hören.

Das präparierte Laufshirt
Das präparierte Laufshirt

Was mich etwas geschockt hatte und auch vom Veranstalter im nächsten Jahr verbessert werden muss sind die Verpflegungsstationen. Die ersten Stellen hatten für uns letzten Läufer nix mehr. Keine Becher! Nix vorbereitet bzw. sind sie wohl scheinbar nicht der anstürmenden Menge hinterher gekommen. Hier muss weiter ausgebaut werden und die Stationen etwas verlängert werden.

Ein wenig „unpraktisch“ finde ich die Verteilung von Bananen- und Orangenstücken. Da die Schalen einfach auf die Straße geworfen werden und diese dann auf dem Asphalt eine rutschige Fläche bilden herrschte stellenweise arge Rutschgefahr. Ob das bei einem Marathon normal ist kann ich nicht sagen, es war ja erst mein zweiter und in Freiburg habe ich sowas nicht bewusst wahrgenommen.

Herzfrequenztabelle
Herzfrequenztabelle

Die ersten Kilometer liefen gut. Atmung und Herzfrequent blieben überraschen konstant und ich konnte die angepeilte 7er Pace recht gut halten. Aber dann kam er: KM 8. Ab hier war klar, das wird eine Herausforderung und die noch zurückzulegenden 13km würden mir in jeder Hinsicht einiges abverlangen.

Das Publikum war klasse, anders kann man es nicht sagen. Einige Anwohner hatten Gartenschläuche auf die Hälfte der Straße gerichtet und gaben jedem Läufer so die Möglichkeit einer kurzen Abkühlung. Von vielen wurde das auch dankend angenommen da ich aber mit einiger Technik ausgestattet war habe ich mir immer nur einige Tropfen gegönnt die ihre Wirkung aber nicht verfehlten. Ich musste sogar aufpassen, dass der Kreislauf nicht kollabierte wenn ich durch das kühlende Nass gelaufen bin. Danke an die Luxemburger die soviel Verständnis für die Sportler hatten!

Meine Beine wurden schwerer und die Energie schwand langsam aber sicher. Zum ersten mal habe ich dann auch etwas Traubenzucker zu mir genommen um den weiteren Strapazen entgegenwirken zu können. Nach 10km kamen dann erste Zweifel ob ich das überhaupt schaffen kann.

Jeder folgende Kilometer fühlte sich schlimmer an. Die „Allez Marco! Allez!“-Rufe kamen immer öfter aber stellenweise ging einfach nicht(s) mehr. Irgendwas musste zur Motivation her. Aber was? Ich versuchte einen Freund anzurufen in der Hoffnung, dass er mir gut zureden würde aber dieser war leider verhindert. Einzig und allein der Gedanke, dass mein Freund Fernand diesen Lauf bezahlt hat ich ihn einfach nicht enttäuschen wollte lies mich weiter machen. Zumindest so gut es ging. Mit einigen für mich ungewöhnlichen Gehpausen und kurzem Stop an jeder Verpflegungsstation.

Der Streckenverlauf
Der Streckenverlauf

KM 18 hielt dann einen weiteren Motivationstest bereit. Meine Waden machten langsam zu und der Oberschenkel meldete sich. Also nochmal Tempo rausgenommen und weitere Gehpausen eingeplant. Im Kopf rechnete ich die Zeit aus und was ich tun müsste um noch innerhalb der gültigen 3 Stunden anzukommen. Rein rechnerisch war es noch möglich vor Zielschluss über die Linie zu laufen aber Körper und Geist waren stark geschwächt und die Verlockung mit dem Besenwagen zum Eventgelände zu fahren waren so reizvoll wie ein eisgekühltes alkoholfreies Radler. Aber Nein! Zwei Läuferinnen machten mir auf der letzten Teilstrecke nochmal Mut und pushten mich, die letzten 3 km doch noch zu absolvieren. Also nochmal die letzten Kräfte mobilisiert und mit einer ganz langsamen Pace Richtung Messegelände „gelaufen“. Ich war glaube ich noch nie so froh eine Ziellinie zu überschreiten. Das ausgerechnete Ziel unter 3 Stunden zu finishen konnte ich gerade noch so verwirklichen.

Da ist das Ding!
Da ist das Ding!

Im Zielbereich angekommen habe ich die Stände erstmal nahezu leer gesoffen, ja sogar einen Becher Cola habe ich mir gegönnt! Haut mich! Dann bin ich aber unter die Dusche um endlich den Weg in Richtung Heimat antreten zu können.

Fazit: Der ING Nightmarathon ist eine tolle Veranstaltung. Es sollte dem, gerade auch unerfahrenen, Starter bewusst sein, dass es sich hier nicht um die einfachste Strecke handelt und gerade die letzten 5km eine Herausforderung sind. Da laut Aussagen einiger anderer Teilnehmer in den letzten Jahren immer warme Temperaturen herrschten sollte man selbst für ausreichende Getränke sorgen ( ggfs durch Bekannte am Straßenrand ) und die Sache dort nicht allzu ernst angehen. Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas zu hart, weil das Event wirklich gut und das Publikum und die Strecke ( abgesehen von den Steigungen ) wirklich genial war: Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte bezweifle aber, dass ich in den kommenden Jahren erneut an dieser Veranstaltung teilnehmen werde. Aber wer weiß, was da noch alles kommt…

Mein erster Halbmarathon – Der Bericht

Ich habe nun etwas länger gebraucht um meinen Bericht über die Vereinsfahrt und damit auch über den Halbmarathon zu schreiben. Es gab schon mehrere Versionen, aber keine konnte mir die Emotionen und das Feeling das ich empfunden hatte auch nur annähernd rüber bringen. Auch dieser Bericht kann das Erlebnis sicher nicht so wiedergeben wie ich es gerne beschreiben würde.

Messe Freiburg
Messe Freiburg

Bereits Tage vor der Abreise waren die Spannung und die Zweifel deutlich zu spüren. 21.097,5m sollte ich überwinden. Ich, der vor 2 Jahren noch ein Couchpotato war. Ich war zwar gut trainiert hatte aber noch keine langn Läufe über 16km gemacht. Warum? Mir fehlte einfach die Zeit dazu. Dank dem Trainingslager und meinem Laufkollegen Ferdi habe ich immerhin mal die 15km Marke geknackt. Zwischen 15km und 21km liegt aber leider noch eine Strecke von 6km. Was wäre, wenn ich meinen üblichen Fehler mache und mich gleich zu Beginn auspowere und mir am Ende die Energie fehlt durchs Ziel zu laufen? Was wenn ich einfach nicht genug trainiert habe? Was wenn Norbert recht hat? …

Scheiß drauf! Der Tag der Abreise war gekommen, meine Tasche und das technische Equipment war gepackt und ich war als erster am Startpunkt beim Schwimmbad in Schweich. Also noch Zeit genug ein „Vorher“-Video zu machen.

Letzte Worte vor der Tour

Als der Bus dann ankam waren die Schweicher zahlreich eingetroffen. Ich hatte keinen Sitznachbarn, was für mich als Einzelgänger gar nicht mal so schlecht war. Der Bus war nicht mit einem Maut-Gerät ausgestattet weshalb wir nicht über Frankreich sondern quer durch Deutschland fahren mussten. Das kostete etwas Zeit aber wir kamen gut durch.

Schnell noch das Gepäck verstauen

Zuerst besuchten wir die Messe wo auch der Start- und Zielpunkt zu finden war. Ein kurzer Besuch der Marathon-Messe auf der meist lokale Anbieter ihre Produkte vorstellten war natürlich obligatorisch zumal auch unsere Startunterlagen dort abgeholt werden mussten.

Der LT Schweich in Freiburg
So ein Bild wollte ich schon immer mal haben.
So ein Bild wollte ich schon immer mal haben.

Mit meiner Startnummer bewaffnet hab ich mir noch den Mini-Marathon der Kinder angesehen. Als Kind wäre ich niemals da mitgelaufen. Marco und Sport, das sollte damals einfach nicht zusammen passen. Tja, ich habe viel verpasst in jungen Jahren. Das Hotelzimmer war relativ klein, aber gemütlich und für mich alleine absolut ausreichend. Ach was, es war perfekt. Das kann mal wohl schon so sagen. Abends habe ich noch kurz die Stadt ein wenig erforscht und bin dann aufgeregt ins Bett gegangen um dem Land der Träume einen Besuch abzustatten.

Wettkampftag

Der Schlaf war relativ gut aber die Nacht war einfach zu schnell rum. Meinem Sohn Jan hatte ich vor der Abreise noch schnell gezeigt wie er mich mit dem iPad und Facetime anrufen kann. So konnte sicher gestellt werden, dass er mich morgens visuell kontaktierte was er auch immer fleißig und pünktlich tat. Er ist schon ein süßer Fratz. Extra früh wollte ich das Bett verlassen um schon bei der Öffnung der Frühstücksbuffets dabei zu sein. Ohne gutes Frühstück sollte ich doch nicht starten…. So war der Plan… Mein Magen erzählte mir aber was anderes und der Druck im Hals deutete schon an, dass ich besser nichts zu mir nehmen sollte. Der Körper wollte einfach nicht. OK, was konnte ich tun? Logisch, entgegen aller Ratschläge bin ich dann ohne Frühstück mit der S-Bahn zum Messegelände gefahren… Ich bin schon ein Unikat.

An der Messe

Es war quasi vorhersehbar. Genau an dem Zeitpunkt, an dem wir ( ich hatte den Laufkollegen Ferdi an der Hotellobby getroffen ) an der Messe ankamen fing es an zu regnen. Erfahren wie ich ja nun mal bin hatte ich nichts dabei was mich vor dem Regen hätte schützen können. Kein Frühstück und starker Regen. Perfekte Bedingungen für einen ersten Halbmarathon. Bis die Masse aufgefordert wurde, in die Startblöcke zu kommen half ein kleiner Dachvorsprung dabei nicht allzu nass zu werden. Die Masse kam dann dem Wunsch nach sich in Startposition zu begeben also stellte auch ich mich der Witterung. Es war kalt… es war nass … ich gebe zu ich hatte keine Lust mehr. Wir sollte das gut gehen wenn man schon in nassen Klamotten und in nassen Schuhen startet? Es musste was her was mich etwas ablenkte. Also griff ich zu meinem Handy und startete eine Live-Übertragung per Facebook. Schnell hatten einige Zuschauer meinen Stream gefunden und ich fühlte mich nicht mehr so allein inmitten den 10.000 nassen Menschen. Der Countdown und der Startschuss ertönte aber natürlich dauerte es einige Zeit bis sich die Menschenmenge in Bewegung setzte. Ich war Startblock D, was bedeutet, dass sich die Blöcke A-C erstmal auf den Weg machen mussten. Es dauerte eine viertel Stunde bis wir loslaufen durften. In der Aufzeichnung kann man erkennen, dass es kalt war, denn ein Zittern der Hand die das Handy hielt war nicht zu vermeiden. Als unsere Gruppe die Startlinie überquerte war die Kälte wie verflogen. Meine Zuschauer nahm ich noch einige Meter mit unterbrach aber dann den Stream und versprach, wenn es denn zum Zieleinlauf kommen sollte erneut eine Liveshow zu starten.

Der Lauf

„Lauf blos nicht zu schnell los!“ war einer der Tipps den mir alle meine Kollegen noch vor dem Lauf mitgegeben hatten. Es fiel mir auch gar nicht schwer diesem Ratschlag zu folgen. Extrem schnell fand ich in den Lauf und genoss die noch vor mir liegende Strecke. Die ersten 10km waren mit leichtem Anstieg zu laufen der aber so gut wie gar nicht zu spüren war. Das Publikum war in guter Stimmung. Nahezu überall wurde dem Läufer zugejubelt, geklatscht, gepfiffen, getrommelt oder anderweitig Zustimmung zugesprochen. Zugegeben, der Einfluss der gut gelaunten Zuschauer motivierte mich von Anfang bis Ende. Ich garantiere, dass ich jedes Kind das am Straßenrand stand, egal ob rechts oder links, abgeklatscht habe. Die Eltern bedankten sich sogar dafür und feuerten dann erneut zum durchhalten an. Die Strecke an sich war ebenfalls schön gewählt. Mal durch die Altstadt, mal durch einige Gehwege. Es war alles dabei um die Strecke nicht eintönig wirken zu lassen.
Einige Läufer hatten wohl Probleme die richtige Strecke zu finden. Die Weichen die zwischen 10km und HM / M unterteilten waren wohl für so manchen Läufer nicht sichtbar. Meiner einer hatte aber keinerlei Probleme den richtigen Weg zu finden. Das ist wohl ein Vorteil wenn man langsamer läuft, dann kann man sich in Ruhe Schilder und Sehenswürdigkeiten anschauen. Muskuläre Probleme oder gar schmerzen waren nicht zu spüren und auch die Atmung spielte genau so mir wie sie sollte. Es war wunderbar. Es lief einfach rund.

Km 16 und noch vollkommen fit! (C) by Volker Dick-Colling

Einige Läufer konnte ich überholen, von anderen wiederum wurde ich überholt. Ich war auch ganz verwundert, dass wenn ich einen Blick zurück riskierte auch mal jemand hinter mir läuft. Faszinierend, so fühlt sich das also an 🙂

Richtige Steigungen waren nicht dabei. Bei den Anstiegen, die ein Niederländer Berg nennen würde, sagte ich mir immer „Das ist doch keine Steigung!“ und so konnte ich stets mein Tempo und meinen Laufrhythmus halten.

Nach 10km entschied ich mich, ein Hörspiel anzuschalten und mir wurde damit ermöglicht für eine weitere Stunde meinen Kopf auszuschalten. Hier diente mir die gerade neu erschienene Folge von Point Whitmark gute Dienste. Seit Jahren wurde die Fortsetzung der Serie heiß erwartet und am Freitag vor dem Lauf ist sie denn nun auch endlich erschienen. Kilometer um Kilometer flog an mir vorbei. Keine Ermüdung, keine Schmerzen … Goarneist!

Erst irgendwo zwischen km 19 und 20 drückte mein Oberschenkel etwas und ich hatte Angst, ein Krampf würde sich einstellen. Einen Schritt runter schalten half dann auch einem Krampf zu entgehen und als die letzte Brücke in Sichtweite war konnte eh nichts mehr passieren. Mein Puls stieg zwar massiv an, aber das hatte nichts mit der zu erbringenden Leistung zu tun. Es war die Freude und auch die Aufregung doch tatsächlich und wider Erwarten einiger Personen aus meinem Umfeld stolz und mit erhobenem Haupt durch das Ziel zu laufen. Wie bereits am Anfang geschrieben, kann ich das Empfundene in diesem Moment gar nicht schriftlich zusammenfassen. Es war ein wirrwarr der Gefühle. Freude, Dankbarkeit und Stolz und alles was man sich sonst noch vorstellen kann empfand ich zur gleichen Zeit. Ich hätte mit Tränen im Gesicht durch das Zeil laufen können konnte es aber gerade noch so verhindern.
Rückblickend behaupte ich sogar, dass das einer der 10 schönsten Momente in meinem Leben war.

Finisher-Medaille
Finisher-Medaille

Was steht als nächstes auf der ToDo-Liste?

2016 – Couch

2017 – 5km

2018 – 10km

2019 – 21,0975 km

2020 – Wird noch bekannt gegeben

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Noch 12 Tage …

Es sind keine zwei Wochen mehr, dann findet unter anderem der Halbmarathon in Freiburg statt. Am Sonntag den 07. April werde ich mich zum ersten mal in meinem Leben der Strecke von 21,1 km stellen. Das Ziel ist nach wie vor unverändert => Ankommen! In welcher Zeit ist egal. NATÜRLICH habe ich eine Wunschzeit im Kopf aber wenn ich die nicht erreiche dann ist das kein Beinbruch.

Bin ich bereit für den HM?

Toller Lauf am 21.03.2019
Toller Lauf am 21.03.2019

Ich würde sagen ja. Ich habe einige Trainingseinheiten hinter mir, die ganz ordentlich waren und auch das kürzlich begonnene Karatetraining zeigt bereits Auswirkungen in Rumpfstabilität und Ausdauer. Am Donnerstag hatte ich einen der besten Trainingsläufe überhaupt. Alles hat gepasst und ich habe keine Ahnung warum das so war.

  • Lag es am Frühlingsbeginn?
  • Oder am schönen Wetter?
  • War das Mittagessen perfekt?

… keine Ahnung. Fakt ist, es gab keinerlei Probleme mit Muskelschmerzen oder -verhärtungen, ich hatte keine Bleifüße, die Atmung war perfekt und der Laufstil fühlte sich deutlich runder und harmonischer an als sonst. Der Puls blieb meist in einem akzeptablen Bereich und … ach ich weiß gar nicht wie ich es anders beschreiben könnte als PERFEKT. Ich bin keine neue PB gelaufen aber es wäre mir auch nicht schwer gefallen wenn ich es darauf angelegt hätte. Der Energiespeicher war voll, das macht etwas Mut für den HM.

Die Long Run Group

Seit einiger Zeit versucht Ferdi B. mich dazu zu überreden mal eine Teilstrecke in seiner Long Run Group mitzulaufen. Am Sonntag sollte es dann soweit sein. Angegeben war ein 15km Lauf von Platten nach Lieser und wieder zurück. Die Strecke war als asphaltiert und flach beworben. Einziges Manko ( naja Manko kann man es nicht wirklich nennen ) war die Pace von 6 min/km. welche dann doch etwas außerhalb meiner Wohlfühlzone liegt. Aber da der Donnerstag ja schon so gut gelaufen ist habe ich zugesagt und mich auf die neue Herausforderung gefreut.

Platten bis Lieser und zurück
Platten bis Lieser und zurück

Kämpfen, Marco! Kämpfen!

Als ich, natürlich pünktlich, am Startpunkt der Teilstrecke ankam warteten dort bereits zwei weitere Läufer. Die Strecke war so wie versprochen und auch die Pace wurde genau eingehalten. Ich war relativ schnell im Flow und konnte auch die ersten Kilometer gut mithalten. Wenn ich angestrengt bin sehe ich immer aus wie ein Glühwürmchen mit feuerrotem Kopf. Daran müssen sich die neuen Laufkollegen meistens erst gewöhnen denn es sieht immer schlimmer aus als meine aktuelle Situation ist. Auch ist es meist befremdlich, dass ich nicht viel rede beim Laufen. Am Anfang meiner Laufkarriere war an sprechen während dem Lauf nicht zu denken, heute ist das möglich aber lenkt mich jedes mal von meiner richtigen Atmung ab. Ich höre lieber zu, sammle Themen und gebe meinen Senf nach dem Lauf dazu. Aber zurück zum Lauf: Erst in den letzten beiden Kilometern habe ich geschwächelt und musste den Puls von >175 ( gemessen über den H10 Brustgurt ) etwas runterbringen.

Im roten Bereich
Im roten Bereich

Daher habe ich ein wenig entschleunigt und versucht den Wert etwas unter 170 zu drücken. Ich musste kämpfen war aber nie an der magischen „Kotz“-Grenze. Ein Läufer der Long Run Gruppe ist dann die letzten beiden Kilometer mit mir gelaufen und mit einem Abstand von etwa 200m zur Gruppe sind wir dann ebenfalls am Teilstrecken-Ziel angekommen. Die Gruppe ist dann weiter gelaufen um die angesetzten 35km!!! zu absolvieren. Respekt! Wären noch mehr Kilometer drin gewesen? Ich denke in dieser Pace nicht. Wenn ich die Geschwindigkeit auf eine 7er Pace reduziert hätte wären noch weitere 5km möglich gewesen aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein.

Long Run Group
Long Run Group

Als ich zuhause ankam meldeten sich meine Muskeln, Gelenke und Bänder und fragten mich: „So jetzt wo wir mal unter uns sind…. komm rein….. nimm dir ’nen Keks….. DU ARSCH! Hast du noch alle Tassen im Schrank??? Was tust du uns nur an??? Haben wir dir nicht 43 Jahre immer treu zur Seite gestanden??? Und dann sowas???“ Leider sind sie wohl noch sauer auf mich, denn als ich heute Morgen aufgestanden bin wollte keiner mehr für mich arbeiten bzw nur unter Protest in Form eines höllischen Muskelkaters. Aber sie werden sich sicher wieder beruhigen. Sie wissen ja nicht, was in 12 Tagen ansteht! 😉

15km Lauf – 24.03.2019

Fazit für den Lauf mit der Long Run Group: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt! Das ist eine Gruppe netter Läuferinnen und Läufer in der man sich gleich wohl fühlt. Ich habe mich zu der Whatsapp-Gruppe hinzufügen lassen und hoffe bald wieder an einer passenden Teilstrecke mitlaufen zu können. Wer gerne den Kontakt zur Gruppe haben möchte, kann sich jederzeit gerne an mich wenden. Ich vermittle dann.